Letzten Monat hatte ich Geburtstag. Und bereits seit letztem Jahr bin ich quasi offiziell alt. Oder? Ich finde nein. Ich fühle mich kein bisschen so. Okay, die Haare sind grau. Schon länger. Und die Falten werden auch nicht weniger. Aber was soll’s. Das sind Äußerlichkeiten.
Wie ich auf dieses Thema komme? Andre Tappe hat bei LinkedIn eine Aktion initiiert, mit dem Titel „50plusSaukreativ“, die ich super wichtig finde und freue mich dabei zu sein.
Da ich schon vor längerem einen Blogbeitrag zum Thema alte/ältere Kreative vs. Jugendwahn geplant hatte, gab mir die Aktion jetzt den passenden Anstupser. Und Et voilà, hier ist mein Senf dazu.
Ja, manch einer würde sagen, ich bin alt. Aber ist das wirklich so? Ist es nicht viel wichtiger, wie man unterwegs ist? Ich meine: im Kopf jung sein und bestenfalls auch physisch.
Die grauen Haare und die Falten – was soll‘s. Ist eben so, wenn der Körper nicht mehr ganz frisch ist. Aber sonst? Alles gut bei mir. Ich bin fit und gesund. Wach. Neugieriger denn je. Und habe mmer noch Flausen im Kopf.
Ich fühle mich sogar heute fitter und agiler als noch vor 20 oder 25 Jahren.
Vielleicht bin ich nicht unbedingt schneller im Sprint 😉 – zumindest kann ich mit meinem Feelgood-Manger nicht mithalten – gut, er ist ja auch ein Hund.
Bin klarer im Kopf. Fokussierter. Ausgeglichener.

Und gleichzeitig merke ich, ich höre immer mehr auf meine Intuition und sehe, wie viel besser sie oft ist, als der Kopf. Ich kann auf sie im Grunde blind vertrauen. Und ich bin ziemlich gut darin, meine Energie sinnvoll einzusetzen. Konzentration und Ausdauer sind immer noch voll da. Nicht vergessen will ich meine Freude am Tun. Das tun zu können, was ich liebe. Die Begeisterung ist noch genauso da wie vor vielen Jahren!
Was ich genieße und einfach wundervoll finde: Ich bin entspannter. Lasse mich nicht mehr stressen und schaffe dennoch alles, was ich mir vornehme.
Also, hört sich das nach Alt an? Zu alt? Ich meine: Nein.
Und dann kam diese Aktion: 50plusSaukreativ.
Ein Projekt, das genau da ansetzt, wo viele anfangen, leiser zu werden. Oder leiser und schlechter gemacht werden.
Die Idee dahinter: Erfahrene Kreative gehören nicht aufs Abstellgleis. Sondern mitten rein. In Teams. In Prozesse. In die Zukunft. Weil gute Gestaltung heute mehr braucht als nur „geile Ideen“. Sie braucht Haltung. Erfahrung. Weitblick. Und genau das bringen wir mit.

„Denn erfahrene Kreative gehören nicht aufs Abstellgleis – sondern in innovative Unternehmenskulturen und in Kreativagenturen, wo sie Teams mit ihrer Erfahrung, ihrem Blick und ihrer Kreativität bereichern. Gute Kommunikation benötigt heute mehr als geile Ideen, sondern Haltung und Weitblick, damit wir Marken schaffen, die in der Zukunft Relevanz haben.“
Andre Tappe, der Initiator der Aktion #50PlusSaukreativ:
Erfahrung hat kein Ablaufdatum.
Im Gegenteil. Ich merke heute viel klarer als früher, worauf es wirklich ankommt: Nicht schneller, obwohl ich immer noch sauschnell bin – gerade erst kürzlich sagte das mal wieder eine Kundin zu mir. Nicht lauter. Nicht mehr. Sondern echter.
Wie ich bereits erwähnte, ich arbeite intuitiver. Treffe gleichzeitig Entscheidungen bewusster. Hinterfrage mehr. Und nach wie vor gilt, gutes Design darf schön sein, muss es aber nicht nur, sondern viel wichtiger ist: Stimmigkeit und, dass es sinnvoll ist, Haltung zeigt, echt ist.
Älter werden ist kein Rückschritt.
Es ist ein Perspektivwechsel. Vielleicht wird der Radius kleiner. Kann sein. Vielleicht auch nicht.
Aber der Blick wird weiter, da bin ich sicher. Zumindest trifft das auf mich zu. Vielleicht geht manches langsamer, mit mehr Ruhe, in sich ruhend, meine ich. Dafür tiefer.
Und ich denke, ist es genau das, was wir heute brauchen: Menschen, die nicht nur Trends hinterherlaufen. Menschen, die Zusammenhänge sehen und auf viele Jahre Erfahrungen zurückgreifen können.
Ein Gedanke, der mich nicht loslässt.
Was ich allerdings wirklich widersprüchlich finde: Wir sollen immer länger arbeiten. Frühestens mit 67 in Rente gehen. Und gleichzeitig gilt man ab 50 plötzlich als „zu alt“. Zumindest ist das eben im Kreativbereich so. Wir gelten als zu langsam. Zu festgefahren. Nicht mehr relevant.
Da passt doch irgendwas nicht zusammen, oder?
Denn wenn wir länger Teil des Arbeitslebens sein sollen, warum werden wir dann so oft behandelt,
als hätten wir unseren Zenit längst überschritten? Schon eigenartig.
Ich sehe es anders.
Gerade jetzt, wenn wir mehr als 50 Jahre auf dem Buckel haben, entsteht etwas sehr Wertvolles:
Erfahrung trifft auf Klarheit.
Intuition auf Wissen.
Und Ideen auf Haltung.
So würde ich es herunterbrechen und meine, das ist genau die Kombination, die wir heute mehr denn je brauchen.
50+ und jetzt?
Ich glaube, wir dürfen aufhören, uns kleinzumachen oder uns unsichtbar, ungewollt zu fühlen. Denn wir sind nicht „noch da“. Wir sind genau richtig da. – Da fällt mir gerade der Song von Udo Jürgens ein: „Mit 66 Jahren da fängt das Leben an … mit 66 ist noch lange nicht Schluss.“ 🙂
Überleg doch mal, was wir alles erlebt, gelernt und ausprobiert haben. Mit all den Umwegen, Fehlern und Erkenntnissen. Und mit dieser leisen, aber ziemlich klaren Stimme, die sagt: Es fühlt sich richtig an. Es ist alles gut so.
Ich bin 50+.
Ja, manchmal fühlt es sich, dieses „Label“, komisch an, weil ich es nicht fühle. Wobei, wie muss oder sollte man sich fühlen? Gibt es dafür eine Vorgabe? Muss ich jetzt bestimmte Dinge tun, die „richtig“ für mein Alter sind? Keine Ahnung. Es ist mir auch egal.
Es ist eher so: Es fühlt sich nach genau dem richtigen Zeitpunkt an, um noch einmal ganz bewusst loszugehen. Auf ins vermutlich letzte Drittel meines Lebens. Ich freue mich drauf. Auf echte weitere, sagen wir 30 Jahre.
Halleluja! 🙂
Und zum Schluss noch ein Gedanke: Vielleicht geht es auch nicht nur darum kreativ zu sein. Ganz bewusst mit Haltung, mit einem Blick für das, was bleibt unterwegs zu sein. Oder anders gesagt: #sauNachhaltig – mein Keyword für die Aktion. Nicht nur im Design, auch im Denken und im Umgang miteinander.
Denn was wir heute gestalten, wirkt weit über uns hinaus.
PS: Und, wenn du dich von meiner Expertise überzeugen willst, hier geht’s lang. 🙂

… ist seit 22 Jahren Grafikdesignerin. Ihr Schwerpunkt ist nachhaltiges Design. Sie gestaltet Logos & Branddesigns. Sie unterstützt kleine Manufakturen, Solo-Selbstständige & Visionär*innen beim gesamten Markenauftritt. Ihr Angebot richtet sich an Menschen, die für ihre Idee brennen, die Nachhaltigkeit nicht als Trend verstehen und etwas in dieser Welt bewirken wollen.
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