Vor kurzem bin ich auf die wunderbare Blogparade „Frieden – was ist das und wie geht das?“ von Lydia Gajewsky gestoßen.
Frieden, ein Thema, das uns alle bewegt und sich gerade dringlicher denn je anfühlt. Manchmal habe ich das Gefühl, überall auf der Welt brennt es. Immer mehr Konflikte, Konflikte die eskalieren und ich habe mich gefragt: Was kann – oder sollte – ich dazu überhaupt schreiben?
Also habe ich mich gestern Abend hingesetzt, eine Weile die Wand angestarrt und darüber nachgedacht und mich gefragt, wie könnte ich an die Sache herangehen? Was passt zu mir? Und dann war es ganz plötzlich klar, wie mein Beitrag werden soll.
Also, los geht’s.
Was bedeutet Frieden für mich?
Das erste was mir in den Sinn kam: Ruhe im Kopf. Kein permanenter Stress, egal aus welcher Richtung. Eine freundliche Umgebung. Ein wertschätzendes Miteinander – in der Nachbarschaft genauso wie überall sonst im Alltag.
Ein respektvoller Umgang miteinander. Anderssein akzeptieren, tolerieren, solange nichts und niemand dadurch zu Schaden kommt. Eigentlich klingt das alles ganz einfach. Ja, es könnte so einfach sein. Und doch fühlt es sich oft so weit weg an.
An manchen Tagen machen mich die vielen Kriegsschauplätze einfach nur wütend – es wird ja auch nicht weniger. An anderen bin ich einfach „nur“ traurig. Und frage mich: Warum? Wobei – so ganz unklar ist es ja nicht. Macht und Gier gehören seit jeher zu den stärksten Triebfedern menschlichen Handelns. Immer wieder werden Kriege angezettelt.
Und ich frage mich doch immer wieder: Warum? Wird die Menschheit jemals wirklich aus der Geschichte lernen? Wird es irgendwann einmal ruhiger? Werden sich je die friedliebenden Menschen durchsetzen können? Ich weiß es nicht. Es wird wohl ein Wunschtraum bleiben.
Kleine Zeichen, große Wirkung
Dennoch: Den Kopf in den Sand stecken und nur noch Trübsal blasen, das entspricht einfach nicht meinem Naturell. Ich brauche das Gefühl, etwas tun zu können, selbst wenn es nur ein klitzekleiner Beitrag ist.
Denn, stell dir vor, wenn wir alle sagen würden: „Ach, ist mir doch egal …“ dann wird es ganz sicher nie besser. Oder, wie Lydia in ihrem Aufruf zur Blogparade schreibt: „Stell dir vor, es ist Frieden und alle machen mit!“ Was für eine wunderbare Vorstellung!
Als der Krieg in der Ukraine begann (ist das wirklich schon vier Jahre her?), wusste ich sofort:
Ich kann nicht einfach nur still sein und zuschauen. Also habe ich– ganz nach meinem Motto „Auch kleine Schritte zählen“ – bei einer Aktion auf Instagram mitgemacht.
Die Aktion richtete sich an Designer*innen und Illustrator*innen, um ein Zeichen zu setzen. Ein Ausdruck von Mitgefühl. Ein kleines, persönliches Statement für den Frieden. Für die Menschen in der Ukraine. Und diese schöne Aktion hat mir einmal mehr gezeigt: Kreativität kann so viel mehr sein als „nur“ schön.

Design wirkt. Es kann Botschaften verstärken, Haltung sichtbar machen und Menschen emotional erreichen. Design kann verbinden, Aufmerksamkeit schaffen und Empathie wecken.
Farben, Formen, Typografie und mehr – all das spricht unsere Emotionen an. Wenn wir es bewusst einsetzen, kann Gestaltung auch ein leiser, aber kraftvoller Beitrag zu mehr Achtsamkeit, Miteinander und ja, auch zu mehr Frieden sein.
Wenn Kreativität Flügel bekommt
Da fällt mir gerade noch eine andere Aktion ein, die ich leider verpasst habe, bei der ich sofort dachte: was für eine geniale Idee. Genau solche Projekte braucht es viel mehr. Vielleicht ahnst du es schon worum es geht, es geht um:
„Das Friedenstier – Mit Stift und Flügeln für den Frieden“
Es war eine Initiative, die ebenfalls auf Instagram entstanden ist und von den drei Illustratorinnen Friederike Ablang, Merle Goll und Sabine Kranz ins Leben gerufen wurde. Inzwischen gibt es die so zusammengekommenen großartigen Arbeiten sogar als Buch, erschienen im dtv Verlag.

Ich finde solche Aktionen großartig und bin gerne dabei, wenn ich es nicht gerade verpasse. 😉
Sie zeigen, was entstehen kann, wenn Kreativität auf Gemeinschaft trifft. Und das macht mir Mut.
Gestaltung mit Verantwortung
Jetzt komme ich noch zu etwas anderem, das mir sehr am Herzen liegt: Für mich gehört zu einem „friedlichen Gestalten“ auch Verantwortung gegenüber Menschen. Gegenüber der Natur, gegenüber unserer Gesellschaft.
Das heißt: Bewusst Materialien wählen. Langlebige Designs entwickeln. Faire Prozesse unterstützen.
All das sind vielleicht „nur“ kleine Schritte, Little Green Steps (so heißt übrigens auch mein Podcast, der bald wieder zum Leben erweckt wird). Aber genau diese kleinen Schritte können etwas verändern.
Im Innen wie im Außen.
Meine Arbeit als Designerin steht deshalb nicht nur für Kreativität. Sie steht auch für Haltung.
Die Illustration, die ich für die Friedensaktion bei Instagram gestaltet habe, hat mir noch einmal deutlich gezeigt: Ein Zeichen zu setzen, selbst, wenn es nur ein kleines ist, kann etwas bewegen bei den Menschen.
Wir Kreativen haben die Möglichkeit, mit unserer Arbeit Menschen zu erreichen. Emotionen auszulösen. Gespräche anzustoßen. Und können vielleicht dabei helfen für mehr Gemeinschaft, mehr Miteinander zu sorgen.
Und das gilt nicht nur für solche Aktionen, sondern auch für Marken, Projekte und Kommunikation im Allgemeinen: Wer ehrlich, empathisch und bewusst gestaltet, trägt automatisch zu einem besseren Miteinander bei.
Fazit: Frieden beginnt bei uns
Frieden beginnt oft im Kleinen. Manchmal ganz leise mit einer Idee, die in uns entsteht.
In unserer Arbeit.
In dem, was wir gestalten.
In unserem täglichen Miteinander.
Wir alle können einen Beitrag leisten.
Durch kreative Projekte.
Durch mehr Achtsamkeit im Alltag.
Oder einfach durch bewusste Entscheidungen.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um selbst ein kleines Zeichen zu setzen.
Was bedeutet Frieden für dich?

… ist seit 22 Jahren Grafikdesignerin. Ihr Schwerpunkt ist nachhaltiges Design. Sie gestaltet Logos, Branddesigns und begleitet dich bei deiner Markenentwicklung. Sie unterstützt kleine nachhaltige Manufakturen und Solo-Selbstständige, die für ihre Idee brennen und Nachhaltigkeit nicht als Trend verstehen. Für Menschen, die mit ihrer Arbeit etwas Gutes bewegen möchten und sich einen Auftritt wünschen, der wirklich zu ihnen passt.
Vernetze dich gerne mit ihr bei > LinkedIn. // Abonniere ihren Newsletter „Neues aus dem Design-Biotop“. // Höre ihren Podcast „Little Green Steps“.

Liebe Heidrun,
als ich las, dass Du die Wand angestarrt hast, kam mir „the writing on the wall“ in den Sinn. Neugierig wie ich bin, forschte ich nach, woher das eigentlich stammt. Siehe da – direkt aus der Bibel …
Dort wird die plötzlich erscheinende Schrift gedeutet als Zeichen für bevorstehendes Unheil … und ich frage mich, ob wir mittlerweile nicht sogar schon darüber hinaus sind mit unserem derzeitigen Un-Frieden rundherum?
Ja – er beginnt im Kleinen, bei uns selbst, der Frieden – und es könnte eigentlich sogar ganz einfach sein, wie Du auch schreibst…
Vielen Dank, dass Du uns an die Hand nimmst und uns die Fülle der Möglichkeiten zeigst, die sich uns auch in unserem Arbeitsumfeld bieten.
Bei dir zum Beispiel: mit Design und Kreativität Emotionen ansprechen, in der Materialauswahl Haltung zeigen, und damit Wirkung auslösen.
Dein PEACE Logo, das zu Beginn des Ukraine-Kriegs entstand, die Friedenstier-Initiative, die in ein Buch floss – wundervolle Aktionen.
Ja – leise und doch kraftvoll tragen wir Stück für Stück Frieden in die Welt!
Ich freue mich, wenn Deine „Little Green Steps“ wieder ins Laufen kommen.
Danke für Deinen Beitrag!
Liebe Lydia,
vielen Dank für dein Feedback und danke für diese wundervolle Idee! <3
Das ist ja spannend, daran habe ich nicht gedacht. Aber kenne ich bzw. habe auch schon mal irgendwo davon gelesen.
Es freut mich sehr, dass dir mein etwas anderer Beitrag gefällt. Und, ja, es gibt oft viel mehr, das wir tun können als wir denken. Nicht nur, wenn es um Frieden geht. 🙂
Ich hoffe, dass es im April klappt und der Podcast wieder on air ist.
Herzliche Grüße
Heidrun