Letzte Woche habe ich den ersten Teil zu meiner Umfrage „DIY-Branding: Selbst gemacht = Geld gespart?“ veröffentlicht und mich vor allem eben mit genau dieser Frage beschäftigt. Aber es gab noch einige weitere interessante Antworten und Gedanken aus der Umfrage, die ich heute aufgreifen möchte.
Was mich für den zweiten Teil besonders interessiert hat: Wenn die Befragten heute noch einmal ganz am Anfang ihrer Selbstständigkeit stünden, würden sie ihr Branding wieder genauso angehen?
Die Umfrage ist mit 23 Teilnehmenden zwar nicht repräsentativ; sie geben aber einen Einblick in ihre Erfahrungen und zeigen, wie unterschiedlich die Wege sein können und wie sie heute ihre damalige Entscheidung sehen.
Nicht alle würden denselben Weg wieder wählen
Knapp ein Drittel der Befragten würden von Anfang an professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Und ebenso viele würden heute stärker auf die strategische Entwicklung ihrer Marke achten. 20 Prozent würden zunächst selbst starten und sich später Unterstützung holen. 15 Prozent würden ihr Branding wieder selbst entwickeln. Nur eine Person ist unsicher, wie sie heute entscheiden würde.
Das ist eine interessante Erkenntnis für mich. Denn es gibt offenbar nicht die eine richtige Antwort auf die Frage „DIY oder Profi?“. Aber viele würden sich heute bewusster mit ihrem Auftritt beschäftigen.

Was ich empfehle: Frage dich, was ist dir heute wichtig, was brauchst du wirklich, um starten zu können? Und auch wo siehst du dich in fünf Jahren? Grundsätzlich ist es gerade am Anfang wichtig, sich lieber mehr als zu wenige Fragen zu stellen, für Klarheit bei deinem Auftritt. Und auch im Hinterkopf behalten, dass sich alles weiterentwickelt und verändert.
Die noch am Anfang stehen, wünschen sich häufiger Unterstützung
Neun Teilnehmende sind seit höchstens drei Jahren selbstständig. Sechs von ihnen würden sich heute von Anfang an professionelle Unterstützung holen. Drei würden zunächst selbst starten und sich später Unterstützung suchen.
Bei einigen Befragten wird auch eine gewisse Unsicherheit sichtbar. So schrieb eine Teilnehmerin, sie sei mit den vielen offenen Fragen rund um Branding momentan überfordert. Eine andere wünscht sich, stärker wahrgenommen zu werden und die eigenen Wunschkund*innen anzusprechen.
„Mir fehlt wirklich die Hilfe zur Selbsthilfe.“ (anonym)
Das ist nachvollziehbar: Gerade am Anfang gibt es viel zu entscheiden – und oft ist noch gar nicht klar, wie sich das eigene Angebot entwickeln wird.
Mit Erfahrung wächst der Blick auf die Strategie
Ebenfalls neun Personen mit mehr als 15 Jahren Selbstständigkeit haben teilgenommen. Sechs von ihnen würden rückblickend stärker auf die strategische Entwicklung ihrer Marke achten. Interessant ist, dass niemand aus dieser 9er-Gruppe heute von Anfang an professionelle Unterstützung wählen würde. Zwei würden ihr Branding wieder selbst entwickeln.
Jedoch haben fünf der neun Befragten ihr Branding im Lauf der Zeit grundlegend verändert. Sechs, der neun sagen, dass ihr Branding sie schon einmal bei der Arbeit ausgebremst hat. Erfahrung bedeutet also nicht automatisch, dass der eigene Auftritt immer reibungslos funktioniert. Vielleicht verändert sich mit dem Unternehmen auch der Blick darauf, was ein Branding leisten soll.
Eine Teilnehmerin beschreibt, dass sich ihr Angebot immer wieder erweitert hat – von der Einzelberatung hin zu Workshops, Vorträgen und weiteren Formaten. Sie fragt sich, ob ein frühes Branding dadurch zu eng gedacht sein könnte und wie viel Flexibilität es lassen sollte.
„Deshalb scheint mir die Investition in professionelles Branding zu einem frühen Zeitpunkt riskant – ich kann dann ja gar nicht flexibel auf die Anpassungen reagieren, ohne erneut viel zu investieren. Büße ich dadurch nicht Flexibilität ein? Nicht nur finanziell, sondern auch zeitlich.“ (Lydia Gajewsky)
Eine gute Frage. Ein Branding muss am Anfang nicht jede spätere Entwicklung abbilden. Wenn noch offen ist, wohin sich das Unternehmen entwickelt, kann eine flexible Basis sinnvoll sein: passende Farben und Schriften, konsistent eingesetzt, vielleicht ergänzt durch ein professionelles Logo und vielseitig nutzbare Gestaltungselemente. Ein Branddesign kann so angelegt werden, dass es mit dem Unternehmen mitwächst.
Kleiner Vergleich: Kurz vs. lange Selbstständig

Die Gruppe mit 4 bis 15 Jahren selbstständig ist hier nicht berücksichtigt.
Sich sicher fühlen und trotzdem gebremst werden
Zehn von 23 Befragten sagen, dass ihr Branding sie bei der Arbeit schon einmal ausgebremst hat. Am häufigsten nannten sie, dass ihre Inhalte/ihre Designs jedes Mal anders aussehen oder sie sich nicht professionell genug fühlen. Gleichzeitig schätzten die meisten der langjährig Selbstständigen ihre Sicherheit, den eigenen Auftritt selbst zu gestalten, mit 4 oder 5 von 5 möglichen Punkten ein.
Das widerspricht sich nur auf den ersten Blick. Man kann sich grundsätzlich sicher fühlen und trotzdem an einzelnen Stellen Zeit verlieren, mit der Konsistenz kämpfen oder merken, dass der eigene Auftritt nicht mehr zum Unternehmen passt.
Auch bei den Prioritäten zeigt sich ein interessanter Unterschied: Persönlichkeit und Werte waren 16 von 23 Befragten besonders wichtig. Dass der Auftritt konsistent aussieht, wählten nur drei. Bei denjenigen, die sich schon einmal ausgebremst fühlten, nannten etwas mehr als die Hälfte aber genau das Problem, dass ihre Inhalte unterschiedlich aussehen.
„Sie haben mir die Rückmeldung gegeben, dass sie sich auf meiner Webseite wiedererkennen und haben deshalb Kontakt zu mir aufgenommen.“
(Manuela Lesniok)
Dass Problem, dass die Inhalte, also zum Beispiel Social Media Posts, oft unterschiedlich aussehen, ein konsistenter Stil fehlt, höre ich immer mal wieder von meinen Kund*innen. Und auch, dass die schier unendlichen Möglichkeiten, die Canva bietet, schon mal überfordern können und dazu verleiten, immer wieder Neues auszuprobieren.
Was macht ein gutes Branddesign aus?
Bei den offenen Antworten ging es selten nur um Farben oder ums Logo. Die Befragten beschrieben gutes Branddesign als etwas, das zur Person und zum Angebot passt, Werte sichtbar macht und verständlich und/oder wiedererkennbar ist.
Eine Teilnehmerin formuliert es so: „Wenn die verwendeten Farben, Stile und Texte meine innere Essenz ausdrücken, dann ist es genau richtig für mich.“
Andere achten stärker darauf, dass ein Auftritt sofort erkennen lässt, worum es geht. Eine Stimme beschreibt ihr Branding, als etwas das polarisiert: Einige mögen die Farben, andere nicht – aber der Auftritt bleibt im Gedächtnis.
„Ja, viele reiben sich an den Farben. Einige lieben es. Andere finden es doof. Aber zumindest hat jeder eine Meinung dazu, es ist nicht egal und fällt auf.“ (anonym)
Das zeigt mir, wie verschieden „gutes Branddesign“ empfunden werden kann. Ein stimmiger Auftritt muss nicht allen gefallen, das ist klar. Aber er sollte etwas über das Unternehmen vermitteln und zu den Menschen passen, die dahinterstehen. Vertrauen schaffen.
Vielleicht gibt es einen Mittelweg
Neben ‚alles selbst machen‘ und ‚alles abgeben‘ zeigt sich auch ein Mittelweg: gemeinsam ein gutes Fundament entwickeln und den Auftritt danach eigenständig weiterführen.
Eine Teilnehmerin wünscht sich zum Beispiel ein kostengünstiges Starterangebot, das bei Farben, Logo und Grundstruktur hilft und es ihr ermöglicht, das Branding später selbst weiterzuentwickeln bzw. eine Basis zu haben, worauf sie aufbauen kann. Das finde ich spannend, denn sie fragt nicht nur, ob professionelle Unterstützung sinnvoll ist, sondern auch, wie viel Unterstützung aktuell gebraucht wird.
Den Wunsch nach einem professionellen Start, auf dessen Grundlage man danach selbst weiterarbeiten kann, kann ich gut nachvollziehen. Deshalb biete ich auch Basispakete für Gründer*innen an: Wir schaffen die wichtigsten gestalterischen Grundlagen, mit denen der Auftritt anschließend eigenständig weiterentwickelt werden kann.
Für Selbstständige, die schon länger am Markt sind, ist meine Markenbegleitung gedacht. Gemeinsam schauen wir, was sich verändert hat, was die Marke heute vermitteln soll und wo noch Klarheit fehlt. Wenn es sinnvoll ist, passen wir das Design an. Auf Wunsch gibt es außerdem einen kompakten Leitfaden, mit dem meine Kund*innen selbstständig weiterarbeiten können.
Was nehme ich aus den Antworten mit?
Für mich zeigen die 23 Antworten vor allem, dass Branding keine einmalige Entscheidung sein muss, die für immer feststeht. Unternehmen und Menschen entwickeln sich weiter. Kundenwünsche verändern sich. Und manchmal passt dann der eigene Markenauftritt einfach nicht mehr. Das hießt allerdings nicht, dass alles über den Haufen geworfen werden muss, ganz im Gegenteil, oft sind es nur einzelne Stellen, die mehr Klarheit brauchen – mit einem frischen Blick, mit Unterstützung von außen, gelingt das in aller Regel am besten.
Und: wenn mich jemand für ein Branddesign oder für eine Markenbegleitung anfragt, empfehle ich niemals eine Lösung bzw. Weg von „der Stange“.
Zuerst interessiert mich der Mensch dahinter und seine Werte. Es geht darum zu klären, was ist schon klar? Was darf sich noch entwickeln? Und dann: Welche Unterstützung würde zum jetzigen Zeitpunkt wirklich weiterhelfen? Was ist aktuell sinnvoll?
Was heißt das nun alles?
Die Frage ist wohl eher nicht: „DIY oder Profi?“ Sondern: Was brauche ich gerade und was soll mein Branding mir ermöglichen?
Hinweis zur Umfrage:
Die Online-Umfrage lief von September bis Anfang Oktober 2026. Es haben 23 Selbstständige aus den unterschiedlichsten Branchen daran teilgenommen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ und beziehen sich auf die Antworten dieser Gruppe. Bei der Auswertung habe ich KI unterstützend genutzt; die Ergebnisse habe ich geprüft und redaktionell eingeordnet.

… ist seit 22 Jahren Grafikdesignerin. Ihr Schwerpunkt ist nachhaltiges Design. Sie gestaltet Logos, Branddesigns und begleitet dich bei deiner Markenentwicklung. Sie unterstützt kleine nachhaltige Manufakturen und Solo-Selbstständige, die für ihre Idee brennen und Nachhaltigkeit nicht als Trend verstehen. Für Menschen, die mit ihrer Arbeit etwas Gutes bewegen möchten und sich einen Auftritt wünschen, der wirklich zu ihnen passt.
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