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Warum „grünes Design“ oft nur Oberfläche ist

„Wie kann mein Design nachhaltig(er) werden.“

Diesen Satz höre ich in letzter Zeit öfter. Oder: „Ich habe etwas über nachhaltiges Grafikdesign gelesen, wie kann das mein Business unterstützen?“ Ich sag’s ganz offen und ehrlich: Über diese Fragen freue ich mich wirklich sehr!

Gleichzeitig merke ich jedoch, wie unterschiedlich das Verständnis davon ist, was „grünes Design“ ist?

Für die einen bedeutet es ein grünes Logo.
Für andere Flyer auf Recyclingpapier gedruckt.
Und manchmal reicht schon ein kleines Blatt-Icon, damit sich alles plötzlich „richtig“ und grün anfühlt.

Aber ist das schon nachhaltig?

Grün ist nicht gleich nachhaltig

Nein. Das ist mir viel zu kurz gedacht und alles andere als wirklich nachhaltig, so wie ich es verstehe. Denn nachhaltiges Design beginnt weder bei der Farbe Grün und auch nicht beim Material für Drucksachen. Es beginnt viel früher.

Tipp! Was nachhaltiges Design konkret bedeutet, habe ich hier erklärt.

Bei den Fragen, die wir stellen. Bei Fragen, die ich mir und meinen Kund*innen stelle.
Bei den Entscheidungen, die wir treffen.
Und manchmal auch bei der Bereitschaft, Dinge besser nicht zu tun.

Wo nachhaltiges Design wirklich beginnt

Und hier wird es jetzt spannend.

Denn in der Praxis begegnen mir immer wieder ähnliche Muster – gut gemeint, ja. Aber auch oft zu kurz gedacht.

Ein Beispiel:

Ein Unternehmen entscheidet sich für umweltfreundliches Papier für die neue Produktbroschüre  – lässt aber gleichzeitig viel zu große Mengen drucken (der Gedanke dahinter: der Stückpreis ist ja so viel niedriger), die später im Lager verstauben und irgendwann im Müll landen, weil sie veraltet sind.

Oder es wird viel Zeit und Budget in ein neues Erscheinungsbild gesteckt, obwohl das bestehende Design mit kleinen Anpassungen weiterhin funktionieren würde.

Ein Blick in die Praxis

Ein aktuelles Projekt zeigt das ganz gut:
Für eine Dachmarke entwickeln wir gerade eine Erweiterung mit einer neuen Submarke. Statt alles neu zu gestalten, bleibt die bestehende Schrift erhalten, die beiden vorhandenen Signets bleiben ebenfalls bestehen – und die neue Marke wird im gleichen Stil weitergedacht.

Kein kompletter Neustart.
Sondern eine bewusste Weiterentwicklung.

Weniger Aufwand. Weniger Ressourcen. Mehr Klarheit.

Oder es entsteht eine Website mit vielen schönen Bildern und tollen Effekten – die allerdings unnötig viel Energie verbraucht und kaum Mehrwert bietet.

Tipp! Mehr dazu, wie Design überhaupt wirkt, findest du hier.

Alles für sich genommen keine „großen Fehler“.
Dennoch verfehlen sie oft das, worum es eigentlich geht.

Nachhaltigkeit ist kein Einzelbaustein

Denn nachhaltiges Design bedeutet nicht, einzelne Maßnahmen umzusetzen. Es bedeutet, Zusammenhänge zu verstehen.

Zu überlegen:
Was wird wirklich gebraucht?
Was kann bleiben?
Was lässt sich vereinfachen?

Und auch: Was wirkt nach außen glaubwürdig – und was eher wie eine schöne Fassade?

Wenn Gestaltung nicht zur Haltung passt

Gerade beim Thema Kommunikation ist das entscheidend.

Denn Menschen merken, ob etwas stimmig ist.
Nicht immer bewusst – aber sie spüren es.

Wenn Gestaltung und Haltung nicht zusammenpassen, entsteht ein Bruch.

Und genau dort beginnt das, was viele eigentlich vermeiden wollen, zumindest alle, die es ernst meinen und ehrlich nachhaltig handeln und wirken: Greenwashing.

Das klingt hart. Ist es manchmal auch.

Deshalb finde ich es wichtig, einen Schritt zurückzugehen.

Grafik: Woran du grünes Design erkennst

Ein Perspektivwechsel

Weg von der Frage: „Wie können wir nachhaltiger wirken?“
Hin zu: „Was ist in unserem Fall wirklich sinnvoll?“

Das kann bedeuten, Dinge einfacher zu machen.
Reduzierter zu gestalten.
Oder bewusst auf etwas zu verzichten.

Nicht, weil man muss.
Einfach, weil es passt. Weil es stimmig ist und genau das ehrlich vermittelt, was es soll.

Für mich ist nachhaltiges Design genau das:
Ein Zusammenspiel aus Gestaltung, Mit- und Weiterdenken & Verantwortung.

Keine perfekte Lösung für alles & alle.
Kein starres System.

Es ist ein Prozess, der sich entwickelt. Schritt für Schritt. Auch kleinste Schritte zählen. Hauptsache, du beginnst.

Und wo fängst du an?

Wie wäre es mit der Frage, die sich nicht auf den ersten Blick beantworten lässt:
Was davon, ist wirklich notwendig – und was nur Gewohnheit?

Wenn du herausfinden möchtest, wie das für dein eigenes Projekt aussehen kann, melde dich gerne. Aber: Nur, wenn es sich für dich stimmig anfühlt.

Oder schaue dich hier im Blog noch etwas um.

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